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Vernetzung von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen

Vernetzung von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen

Osnabrück. GewiNet unterstützt Geflüchtete auf den Weg in den Job: Projekt „Start Guide für den Landkreis Osnabrück“ bringt ausgebildete ausländische Fachkräfte und potenzielle Auszubildende mit den Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft der Region zusammen

Spielen sich den Ball im Rahmen des Projektes „Start Guide für den Landkreis Osnabrück“ erfolgreich zu: Mareen Guth und Manuela Okereke (v. re.) mit GewiNet Projektleiterin Lisa Obermeyer (li.).

Geflüchtete und Zugewanderte haben es häufig schwer, ihren gelernten Beruf in Deutschland auszuüben. Oft wird ihr Abschluss schlicht und einfach nicht anerkannt. Das müssen aktuell auch viele Menschen aus der Ukraine erleben. Mit dem „Start Guide für das Osnabrücker Land“ unterstützt der GewiNet Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft e.V. Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund bei der Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt im Bereich Pflege und Gesundheit und beantwortet Fragen rund um Aus- und Weiterbildung, Jobmöglichkeiten sowie die Anerkennung des Berufsabschlusses. Den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen bietet das Projekt Beratung bei der Bewerbersuche und den Herausforderungen der betrieblichen Integration. Start Guide ist eine Initiative von GewiNet in Kooperation mit dem Migrationszentrum des Landkreises Osnabrück unter dem Dach der MaßArbeit kAöR. Die Koordinierungsstelle aller 23 Start Guide Projekte in Niedersachsen liegt bei der Zentralen Beratungsstelle „Arbeitsmarktintegration und Fachkräftesicherung“ (ZBS AuF III) in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück e.V. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem IQ Netzwerk Niedersachsen. Das Projekt wird vom Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung und der MaßArbeit kAöR gefördert.

„Gemeinsam mit allen Projektpartnern arbeiten wir daran, auch in diesem Bereich der Gesundheitswirtschaft ein starkes Netzwerk zu gestalten, um aktuelle Fachinformationen und Erfahrungen auszutauschen und Hürden bei der Integration zu überwinden“, so GewiNet-Geschäftsführerin Marion Bley. Der einheitliche Leitfaden einer Willkommenskultur für ausländische Arbeitskräfte in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen sei ein wichtiger Teil dieser Arbeit, ein weiterer die Sensibilisierung von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, betonte GewiNet-Projektmanagerin Lisa Obermeyer.

Manuela Okereke, Pflegedienstleitung im Lebens- und Gesundheitszentrum „Haus Amare“ Georgsmarienhütte und Mareen Guth, Leitung Pflege Dr. Becker Neurozentrum Bad Essen, sind von Anfang an mit dabei. Nach etwas mehr als der Hälfte der Projektlaufzeit ziehen sie ein überwiegend positives Zwischenfazit. Beide weisen aber auch auf Herausforderungen hin und äußern Wünsche an das Projekt, das noch bis Anfang 2023 läuft.

Guth bezeichnet die internationalen Mitarbeitenden als Bereicherung. „Insbesondere in Gesundheitseinrichtungen, in denen Menschen aller Nationalitäten versorgt werden, sollten auch die Mitarbeiter aus verschiedensten Kulturkreisen und Sprachräumen kommen“, so die Pflegedienstleiterin. „Verstehen bedeutet interkulturelle Kompetenz, die sehr gut mit den Menschen entwickelt werden kann, mit denen man täglich zusammenarbeitet.“ Positive Erfahrungen mit internationalen Mitarbeitenden macht auch das Haus Amare, wobei Okereke auch nicht verschweigen will, dass es immer wieder mal Schwierigkeiten gäbe, besonders im Bereich Kommunikation. Auch die unterschiedlichen Ausbildungsinhalte und Erwartungen seien häufige Hürden, ergänzt Guth: „So ist etwa die Pflegeausbildung in den meisten Herkunftsländern auf Bachelor-Niveau angesiedelt und legt den Fokus weniger auf Tätigkeiten, die nach dem Verständnis der in Deutschland ausgebildeten Pflegefachkräfte zu ihren grundlegenden Aufgaben gehören: die Übernahme der Körperpflege beispielsweise, die andernorts von Angehörigen oder Hilfskräften übernommen wird.“

Ein weiteres Problem in Bad Essen ist die recht hohe Fluktuation bei den internationalen Mitarbeitenden. Der Start Guide ist gerade für kleinere Einrichtungen eine sinnvolle Unterstützung, weil er Bedarfe gebündelt aufgreife, individuelle Unterstützungsangebote initiiere, Fortbildungen vermittele und Informationen zur betrieblichen und sozialen Integration liefere.
„Und für die Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund kann das Projekt eine zentrale Anlaufstelle sein, die direkte Ansprechpartner vermittelt und Arbeitsuchende und Arbeitgeber zusammenbringt“, so Guth, die den Wunsch äußerte, dass GewiNet die Netzwerk-Arbeit diesbezüglich weiter intensiviere und für einen guten Erfahrungsaustausch zwischen den Einrichtungen sowie Zugewanderten und Geflüchteten, aber auch den beteiligten Partnern sorge. „Wir würden begrüßen, dass Start Guide die internationalen Bewerber und Bewerberinnen beispielsweise zu Vorstellungsgesprächen begleitet“, nennt Okereke einen weiteren Aspekt. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass sie häufig große Angst haben, allein auf fremde Menschen zuzugehen und sich aktiv um einen Job zu kümmern.“ Hier könnte eine gezielte Unterstützung die ansonsten durchweg positive Erfahrung in Georgsmarienhütte abrunden.

Obermeyer nimmt die vielen wertvollen Anregungen mit den Pflegedienstleiterinnen gerne mit. Sie hat die Projektleitung im Frühjahr von Anne Paul übernommen und möchte nun mit frischer Energie schauen, an welchen Stellen noch weitere Potenziale für die Menschen und die Gesundheitsregion Weser-Ems genutzt werden können.
Weitere Infos auf der Webseite der Zentrale Beratungsstelle „Arbeitsmarktintegration und Fachkräftesicherung“ (ZBS AuF III) unter www.zbs-auf.info