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< Wissenschaftliche Weiterbildung für Gesundheitsberufe – Erprobung neuer berufsbegleitender Zertifikatsangebote an der Hochschule Osnabrück
11.03.2019 13:39

Wegweisende Projekte für Niedersachsen


Osnabrück/Hannover. Zeitnahe Lösungen für die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum hat die Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtags, Petra Emmerich-Kopatsch (SPD) beim Parlamentarischen Abend des GewiNet Kompetenzzentrums Gesundheitswirtschaft eingefordert. Sie lobte in diesem Zusammenhang die Region Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim-Oldenburger Münsterland, die hier bereits einige Projekte mit Vorbildcharakter auf den Weg gebracht habe.
 
Gerade die Einbindung digitaler Möglichkeiten sei hier zu erwähnen. Zudem sei die enge Zusammenarbeit von Medizin, Pflege, Therapie, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beispielhaft, betonte Emmerich-Kopatsch: Andere Regionen könnten hier viel lernen. Sie werde das Osnabrücker Modell gerne weiterempfehlen.
 
Bärbel Rosensträter, Erste Kreisrätin des Landkreises Osnabrück, hob ebenfalls die Bedeutung der Digitalisierung für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum hervor: Sie sei Chance und Herausforderung zugleich. Es sei von elementarer Bedeutung, dass der medizinische Bereich die digitale Transformation gestemmt bekomme. Projekte wie Telemedizin und Telepflege seien hier wegweisend. „Wir sind kommunal mit vielversprechenden Pilotprojekten unterwegs“, so Rosensträter, wichtig seien Strategien, die ganzheitlich gedacht würden. Im digitalen Zeitalter gehe es um Zeit. Deshalb sei rasches Handeln erforderlich.
 
Prof. Dr. Michael Böckelmann, erster Vorsitzender von GewiNet, wies darauf hin, dass erfolgreiche Projekte auch den Eingang in die Regelversorgung finden müssten. Dazu müssten Gelder nicht nur in Projekte, sondern auch in Infrastrukturen investiert werden. In diesem Zusammenhang wies er auf die Bedeutung regionaler Lösungen hin, die oft nachhaltiger seien als andere. Prof. Dr. Michael Böckelmann sagte, GewiNet sei mit bisher 17 Förderprojekten ein Motor für entsprechende Lösungen. Aber das Netzwerk trage ebenso als Bildungsträger dazu bei, die Gesundheitsversorgung in der Region zu optimieren. Mehr als 325 Mitarbeiter für die Palliativarbeit seien fortgebildet worden, 55 Personen zu Fachberatern im betrieblichen Gesundheitsmanagement ausgebildet worden.
 
Das Projekt Telepflege stellte Melanie Philip, Geschäftsführerin der VITA Akademie, vor. Hilfebedürftige Senioren blieben gerne in ihrem ländlichen Zuhause, aber die Fachkräfte zöge es immer mehr in die Ballungszentren, sagte sie. Das Projekt ziele darauf ab, telemedizinische Methoden zur Sicherstellung der medizinischen und pflegerischen Versorgung im Nordwesten zu erproben und zu evaluieren. So würden audiovisuelle Kommunikationstechnologien beispielsweise zur Diagnostik, Konsultation und auch bei medizinischen Notfällen genutzt. Der Fokus liege dabei hauptsächlich auf der Primärversorgung, in der insbesondere Hilfskräfte und pflegende Angehörige am Einsatzort via elektronisch übermittelter Bilder, Töne und Daten an Pflegefachkräfte durch diese unterstützt würden. Eine Telepflegezentrale in Berne koordiniere den Einsatz. Es gehe bei dem Projekt nicht darum, menschliche Pflege durch technische Hilfsmittel zu ersetzen, sondern diese durch Assistenzsysteme zu unterstützen.
 
Prof. Dr. Gordon Pipa, Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück, ging auf das Thema Künstliche Intelligenz ein und erläuterte wie sie in der Gesundheitsvorsorge helfen könne. So könne sie zum Beispiel eingesetzt werden, um in ländlichen Räumen ohne niedergelassene Ärzte Vordiagnosen zu stellen, die dann einem Mediziner zur Bewertung übermittelt würden.