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03.12.2018 14:05

Ministerin lobt Projekte aus der Region


Sie stellten beim Niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit in Hannover Projekte aus Melle und anderen Bereichen des Osnabrücker Landes vor: Minaz Khalaf, Nicole Pottharst (beide Gesundheitsregion Osnabrück), Martin Schnellhammer (Living Lab), Dr. Gisbert Voigt (Vorstandsmitglied Niedersächsische Ärztekammer), Nils Holtmann (Projektleiter Fachbereich Telemedizin und Telepflege am GewiNet Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft), Dr. Daniel Kalthoff (Koordinator Gesundheitscampus Osnabrück) sowie Dr. Gerhard Bojara vom Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück (von links). Foto: Daniel Meier

Osnabrück/Hannover. Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann hat jetzt beim Niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) in Hannover das Projekt „Telepflege“ gelobt. Dieses wurde damit erstmals öffentlich in der Landeshauptstand vorgestellt und fand großes Interesse, da es beispielgebend für andere Regionen sein kann.

Nils Holtmann (Projektleiter Fachbereich Telemedizin und Telepflege am GewiNet Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft) informierte in Hannover über das Projekt – gemeinsam mit seinem Roboterkollegen Lou, der anhand eines Quizes mit diesem und anderen Projekten aus der Region vertraut machte. Lou könne künftig eventuell auch in Altenheimen eingesetzt werden und dort in Interaktion mit den Bewohner treten und sie aktiv halten, erläuterte Dr. Daniel Kalthoff (Koordinator Gesundheitscampus Osnabrück). Er könne Pflegekräfte auf diese Weise unterstützen, sie aber nie ersetzen.

Hilfebedürftige Senioren blieben gerne in ihrem ländlichen Zuhause, aber die Fachkräfte zöge es immer mehr in die Ballungszentren, skizzierte Holtmann einen der Beweggründe zum Start des Projekts Telepflege. Es ziele darauf ab, telemedizinische Methoden zur Sicherstellung der medizinischen und pflegerischen Versorgung im Nordwesten, speziell in den Landkreisen Oldenburg und Wesermarsch, zu erproben und zu evaluieren. So würden audiovisuelle Kommunikationstechnologien beispielsweise zur Diagnostik, Konsultation und auch bei medizinischen Notfällen genutzt. Der Fokus liege dabei hauptsächlich auf der Primärversorgung, in der insbesondere Hilfskräfte und pflegende Angehörige am Einsatzort via elektronisch übermittelter Bilder, Töne und Daten an Pflegefachkräfte durch diese unterstützt würden. Eine Telepflegezentrale in Berne koordiniere den Einsatz. Es gehe bei dem Projekt nicht darum, menschliche Pflege durch technische Hilfsmittel zu ersetzen, sondern diese durch Assistenzsysteme zu unterstützen, sagte Holtmann.

Im Rahmen des Projektes gehört die Entwicklung der Evaluationsmethodik / die Erstellung der Messinstrumente (qualitative und quantitative Fragebögen) sowie die Durchführung und Auswertung der evaluierten Daten zu den Aufgaben von GewiNet. Die Digitalisierung und Technisierung im Gesundheitswesen hat einen großen Einfluss auf die Pflege. Die Teilnahme am Projekt „Telepflege“ ermöglicht es, diese Entwicklung ein Stück weit mitzugestalten und zu beeinflussen. Die Übertragung des Projektes (nach Ende der Laufzeit) in die Regelversorgung kann zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Versorgung in ländlichen Regionen beitragen.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann betonte: „Unser Ziel ist es, eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in einem Flächenland wie unserem zu sichern. Dazu gehören neue digitale Möglichkeiten und innovative Ideen. Telemedizinische Angebote sind eine sinnvolle und wichtige Ergänzung, denn sie entlasten und unterstützen Ärztinnen und Ärzte, ohne sie zu ersetzen. Neue Versorgungsmodelle für ländliche Räume made in Niedersachsen.“

„Die Möglichkeiten der Digitalisierung werden in den nächsten Jahren dazu führen, dass sich das Berufsbild des Arztes verändern wird. Das betrifft zum einen das Arbeiten in der zunehmend digitalisierten Welt, aber auch die Kommunikation und den Umgang mit den Patienten“, sagte Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler. „Zwischenmenschliche Interaktion wird eine noch größere Rolle spielen. App-basierte telemedizinische Modelle können die Patienten intensiver in die Behandlung ihrer Erkrankungen einbinden und den Behandlungsverlauf optimieren. Den Kontakt zwischen Arzt und Patient und die damit einhergehende Vertrauensbeziehung können sie jedoch in keiner Weise ersetzen.“

„Auch in Niedersachsen ist nun ab dem 1. Dezember die ausschließliche Fernbehandlung unter bestimmten Rahmenbedingungen möglich“, berichtete Dr. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen auf dem Niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit: „Sie sollte nur eine Ergänzung, aber niemals ein Ersatz für die persönliche ärztliche Behandlung vor Ort sein“, fügte die Kammerpräsidentin hinzu.