Erkrankungen per Szintigraphie abklären >
< Mneme-Projekt erfolgreich abgeschlossen
03.06.2013 11:21

"Dann bist Du ein Held …" - Schüler werden Lebensretter

Erstmals in der Region wird an einer Schule trainiert – Initiative des Franziskus-Hospitals Harderberg


Georgsmarienhütte. „Und was passiert, wenn der Krankenwagen kommt?“ will der 14jährige Dennis wissen. „Dann bist Du ein Held.“ Die Antwort von Dr. Sebastian Ellis bringt ein verlegenes Lächeln in die Gesichter der Schülergruppe, die im Halbkreis um den Leiter der Zentralen Notfallaufnahme der Niels-Stensen-Kliniken Franziskus-Hospital Harderberg (FHH) sitzen. Die sieben Hauptschüler absolvieren kein Training zum Supermann, sondern lernen die Grundlagen der Herz-Kreislauf-Wiederbelebung kennen.




Dr. Ellis und der Intensivkrankenpfleger Reinhard Többen, ebenfalls Mitarbeiter des FHH, haben den Jugendlichen Puppen mitgebracht, mit denen sie Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung üben können. Zweimal haben sie die 7. Klasse der Carl-Stahmer-Hauptschule Georgsmarienhütte besucht, um den 15 Jugendlichen Wissen zu vermitteln, das im Ernstfall Leben rettet.

Ellis, der selber unter anderem Rettungsmediziner ist, beschreibt die Situation in knappen Worten. „Stellt Euch vor, Ihr steht an einer Bushaltestelle und plötzlich kippt einer um. Ein älterer Mann. Er röchelt nur noch. Was macht Ihr?“ Die Jugendlichen spulen ihr Wissen aus der ersten Unterrichtsstunde herunter. „Ansprechen, gucken, ob er reagiert.“ „112 wählen.“ „Wenn er nicht reagiert und nicht atmet, mit der Wiederbelebung anfangen.“ Der Arzt ist zufrieden, zieht die Geschichte weiter: „OK, das dauert jetzt wenigstens fünf Minuten, bis der Rettungswagen da ist. Haltet Ihr das aus?“ Die Jungs winken ab: „Na klar!“ „Ok“, lacht der Arzt, „dann zeigt mir das mal! 30 mal drücken, zweimal beatmen, immer abwechselnd. Wir machen das drei Minuten, das ist schwer genug.“

In der Tat beginnen die Jugendlichen nach kurzer Zeit zu schwitzen. Dennis sagt hinterher: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so anstrengend ist.“ Der Schüler ist überzeugt, dass es sinnvoll ist, diesen Kurs zu machen. „Es kann immer mal sein, dass man helfen muss.“ Er hat vor einem Jahr am eigenen Leib nach einem schweren Unfall erfahren, wie wichtig es ist, wenn jemand da ist, bis der Krankenwagen kommt.“ Auch die anderen Jugendlichen stimmen zu: „Es ist gut, sowas zu lernen.“

Der Leiter der Carl-Stahmer-Hauptschule, Mark Reinhardt, unterstützt die Initiative des Franziskus-Hospitals: "Auch wenn wahrscheinlich nur wenige Schüler in eine Situation kommen werden, in der sie Leben retten müssen, können das Wissen über die richtigen Maßnahmen und die Fähigkeit, diese auch umzusetzen, in einer Notsituation entscheidend sein.

Darüber hinaus leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsstärkung unserer Schüler. Jugendliche, die wissen, dass sie Leben retten können, sind selbstbewusster und reagieren vielleicht auch auf andere Herausforderungen mit größerer Selbstsicherheit."

Das sieht Dr. Sebastian Ellis genauso: „Ihr könnt jetzt was, was viele Erwachsene nicht können. Wenn jemand Hilfe braucht, könnt Ihr mutig hingehen und helfen.“ Zu seiner Intiative, mit Schülern der Carl-Stahmer-Hauptschule zu arbeiten, erläutert er: “Die Schüler sollen in die Lage versetzt werden beherzt auf eine medizinische Notsituation zuzugehen und Hilfe zu leisten.“ Dafür wurden vom FHH mit Unterstützung der AOK Niedersachsen Puppen angeschafft, mit deren Hilfe die Schüler die Übungen sehr praxisnah absolvieren können.

Ellis weiß, dass der Deutsche Rat für Wiederbelebung zurzeit an Leitlinien für die Schulung von Kindern und Jugendlichen arbeitet. Kinder im Alter von zwölf bis 13 Jahre sind erfolgreiche Lebensretter. Sie sind mit Herz-Kreislauf-Wiederbelebungsmaßnahmen schnell vertraut, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Jugendliche haben demnach sowohl die körperlichen Voraussetzungen für eine ausreichend kräftige Herz-Druck-Massage, als auch die notwendige Begeisterung dafür.

Der plötzliche Herztod stellt in Europa eine der Haupttodesursachen dar, von der pro Jahr etwa 700 000 Personen betroffen sind. In Deutschland erleiden rund 100.000 – 150.000 Menschen einen plötzlichen Herztod. Die Überlebensrate der Betroffenen ist gering. Der Hauptgrund für diesen Umstand liegt im Faktor Zeit begründet. Um erfolgreich zu sein, müssen Wiederbelebungsmaßnahmen unverzüglich einsetzen, am besten bereits durch Augenzeugen.

Dennis (links) und weitere Siebtklässler der Carl-Stahmer-Hauptschule üben Herz-Kreislauf-Wiederbelebungsmaßnahmen mit Übungspuppen.