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26.10.2017 11:39

Was nützt die Rückenschule, wenn das Arbeitsklima nicht stimmt


Foto: Treetop – Media

Melle. Was können Mitarbeiter, die sich um die Gesundheit im Unternehmen kümmern, von einem FIFA- und Bundesligaschiedsrichter lernen? Eine ganze Menge, wie Babak Rafati in Melle bei der vierten Messe für Betriebliches Gesundheitsmanagements (BGM) des Vereins GewiNet deutlich machte.

Es gehe darum, den Mitarbeitern zu verdeutlichen, alles was krank mache, hinter sich zu lassen und auf sich selbst zu schauen statt auf andere, sagte Rafati, der sich am 19. November 2011 unmittelbar vor dem Spiel 1. FC Köln gegen 1. FSV Mainz 05 das Leben nehmen wollte. Betriebe sollten ihre Mitarbeiter ermuntern, sich mehr mit sich selbst zu befassen, um extremen Leistungsdruck, Mobbing und Erschöpfung rechtzeitig zu erkennen. Diese entstünden oft, weil man meine, den scheinbaren Erwartungen anderer entsprechen zu müssen. Aber die Probleme seien meistens hausgemacht. Das Zauberwort laute Selbstbestimmung. Man solle die Verantwortung nicht auf die Führungskräfte schieben, die veränderten sich nicht. Jeder solle vielmehr bei sich selbst suchen. Dabei sei es auch wichtig, Achtsamkeit zu üben, in die Tiefe zu gehen und zu sehen, was einem gut tue, nicht zu bewerten, Dinge einfach stehen lassen, wie sie sind. „Jeder hat das Recht über mich zu denken, was er will, aber es kann mir egal sein“, so die Erkenntnis von Rafati. Nicht die Chefs, Kollegen oder der Job seien die Ursache für den eigenen Stress, sondern man selbst.

Inwiefern eine gesunde Firmenkultur sowie der Einfluss von Führungskräften zur Etablierung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements beitragen können, beleuchtet Sandra Fricke von den Stadtwerken Osnabrück in ihrem Vortrag. Das Thema Gesundheit müsse so fest in den Köpfen der Führungskräfte verankert werden, „dass sie dessen Mehrwert erkennen“.  Um Führungskräfte zu sensibilisieren, könne das Gespräch über deren eigene Gesundheit helfen. Ein weiterer Weg, um Führungskräfte für ein BGM zu gewinnen, sei der über die gesetzlich vorgeschriebene psychische Gefährdungsbeurteilung oder das betriebliche Eingliederungsmanagement. Wichtig sei, ihnen deutlich zu machen, dass es um die Einbindung von Gesundheitsprozessen in das Unternehmen gehe, nicht so sehr um Einzelmaßnahmen. „Was nützt die Rückenschule, wenn das Arbeitsklima nicht stimmt ?“ Ein betriebliches Gesundheitsmanagement ziele darauf ab, die Mitarbeitergesundheit zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Gesundheit der Organisation auch mit Blick auf Kennzahlen zu erhöhen.

Der erste Vorsitzende von GewiNet, Dr. Michael Böckelmann, berichtete, dass die GewiNet-Messe wachse. Die Bedeutung werde von Firmen immer mehr erkannt. Auch in den kommenden Jahren solle die Messe deutliche Impulse setzen. Das sei wichtig, weil die Arbeitswelt vor großen Herausforderungen stehe. Das habe unter anderem mit dem Fachkräftemangel und der demographischen Entwicklung zu tun. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, um die Gesundheit der Mitarbeiter langfristig zu sichern.

Oliver Neils, Leiter Personal bei Solarlux, berichtete, dass sein Unternehmen seit vielen Jahren die Gesundheit der Mitarbeiter fördere, auch um wettbewerbsfähig zu sein. Es seien weitere Maßnahmen in der Planung, wie zum Beispiel die Kooperation mit dem SC Melle oder einem Biohof aus Kalkriese.

Melles Bürgermeister Reinhard Scholz empfahl, immer wieder zu schauen, wie Krankheiten bei Mitarbeitern zu verhindern seien. Die Messe biete dazu den passenden Ansatz. Gerade auch die langfristigen Erkrankungen sollten ausgeschlossen werden. Fehltage hätten in Unternehmen sowie im öffentlichen Dienst dramatisch zugenommen. Es sei daher gut, im Rahmen einer solchem Messe über Vorsorgemöglichkeiten zu sprechen. Auch die Stadt Melle gehe zum Beispiel mit Lauftreffs oder einer Rückenschule erste Schritte. Ohne gesunde Mitarbeiter gebe es keine gesunde Wirtschaft.

Die Messe für Betriebliches Gesundheitsmanagement, die durch das Förderprogramm für Demografie-Projekte in den niedersächsischen Teilen der Metropolregion Nordwest und in Weser-Ems vom Land Niedersachsen unterstützt wird, solle Unternehmen helfen, sich über aktuelle Fachthemen zu informieren und Kontakt zu anderen BGM-Akteuren und Dienstleistern herzustellen, erläuterte GewiNet-Geschäftsführerin Sandra Schürmann. Und Erster Kreisrat Stefan Muhle hob hervor: Die Zunahme des Leistungsdrucks sei in der modernen Arbeitswelt für nahezu jeden Arbeitgeber und Arbeitnehmer deutlich spürbar. Gesunde Unternehmen brauchten gesunde Mitarbeiter.

Die Besucher der Messe konnten sich an zahlreichen Ständen über die Möglichkeiten dazu informieren. In Workshops ging es zudem um die Themen „Zukunft des BGM 4.0 – Gesund arbeiten in der digitalisierten Arbeitswelt“ (Wolfgang Reuter und Helga Hudler, KMB-Bildung und Beratung), „Imagefaktor BGM – Möglichkeiten des externen Marketings“ (Philipp Karow, KAROWGM) sowie „Herausforderung Führung – sich selbst und andere gesund führen“ (Dr. Martina Lukas-Nülle, Konzepte für Unternehmensgesundheit).

„Es ist uns gelungen mit der diesjährigen Messe viele Unternehmen aus verschiedenen Branchen anzusprechen“, zog Sandra Schürmann, eine positive Bilanz.

Hier können Sie sich die Dokumentation der diesjährigen BGM-Messe ansehen.

Die unter der Schirmherrschaft von Dr. Michael Lübbersmann, Landrat des Landkreises Osnabrück, stattfindende Veranstaltung wird in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen von Landkreis und Stadt Osnabrück, der Sparkasse Osnabrück sowie dem Tourismusverband Osnabrücker Land ausgerichtet.

Gefördert vom Land Niedersachsen: