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24.03.2014 12:38

Sucht ist komplex –der Weg hin zur Abstinenz auch


Suchtkoordinatorin Jessica Stevens

Suchtkoordinatorin Jessica Stevens unterstützt im Suchtkompetenzzentrum Georgsmarienhütte des Klinikum Osnabrücker Land beim Weg raus aus der Sucht.

Wenn man von einem Entzug spricht, stehen zunächst die körperliche Abhängigkeit vom Suchtmittel sowie die körperlichen Begleiterscheinungen im Vordergrund – sie sollen im besten Fall beseitigt werden. „Der Körper eines suchtmittelabhängigen Menschen ist an die Droge gewöhnt“, erklärt Jessica Stevens, Suchtkoordinatorin am Standort Georgsmarienhütte des Klinikums Osnabrücker Land. „Bei einer Entgiftung wird dem Körper die betreffende Substanz entzogen, also nicht mehr zugeführt. Nach mehreren Stunden oder Tagen ohne Suchtmittel kommt es zu körperlichen Entzugserscheinungen.“ Je nach Krankheitsstadium äußern sie sich in starker Unruhe, Schlafstörungen, Zittern, starkem Schwitzen, Kreislaufstörungen bis hin zu Halluzinationen, epileptischen Anfällen und Bewusstseinsstörungen. Auch das Verlangen nach der Droge wird extrem hoch.

 

Der erste Schritt: Man muss es wollen

„Man kann sich vorstellen, dass die Entscheidung, einem Stoff, den man mit jeder Faser des Köpers zu brauchen scheint, den Laufpass geben zu wollen, sehr schwer ist“, so Stevens. Ist die Bereitschaft für einen Entzug da, sollte sich der Betroffene professionelle Hilfe suchen – „z.B. über den Hausarzt, Suchtberatungsstellen oder über eine Anfrage an unsere Suchtkoordination“, erklärt Stevens. Eine stationäre Entzugsbehandlung ist für viele Betroffene ein wichtiger erster Schritt zur Abstinenz. Am Anfang eines suchtmittelfreien Lebens steht die stationäre Entgiftung, die eine individuelle Behandlungsdauer je nach Ausprägung der Entzugssymptomatik hat.

Nach der Entgiftung beginnt die eigentliche Arbeit

Suchtmittelabhängige Menschen haben heutzutage durch sehr gute Therapieangebote eine realistische Chance, die Abhängigkeit und ihre Folgen zu besiegen und ein nahezu normales Leben zu führen. Die körperliche Entgiftung alleine reicht allerdings nicht aus: „Die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls ist sehr hoch“, so Stevens. Sie bilde aber eine gute Basis und biete Gelegenheit, sich über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und den individuell erfolgversprechendsten Weg einzuschlagen.

Jessica Stevens hilft bei der Orientierung im breitgefächerten Hilfesystem. Bei ihr erhalten die Patienten genaue Informationen der Beratungs-, Behandlungs- und Nachsorgebausteine. „Ich stelle beispielsweise Kontakte zu Fachambulanzen, Rehabilitationskliniken, Selbsthilfegruppen und anderen ambulant oder stationär betreuenden Einrichtungen her“, so Stevens. In Zusammenarbeit mit dem Patienten und dem behandelnden Team aus suchtmedizinisch qualifizierten Ärzten, Krankenpflegern und Sozialtherapeuten, werden den individuellen Bedürfnissen angepasste Angebote zusammengestellt. Am Ende hält der Patient einen Fahrplan in der Hand, der ihm dabei hilft, sich nachhaltig wieder besser im Alltag zurechtzufinden.

 

Wie es „innen“ aussieht, wissen nur Menschen mit gleichen Erfahrungen

Der Austausch mit anderen Betroffenen ist sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung. „Wir wissen viel über die Erkrankung und Abhängigkeit“, erklärt Stevens. „Aber wie es sich damit lebt und welche Ängste und Sorgen man täglich hat – das wissen wir nicht.“ Die Zwischenmenschlichkeit und das Gefühl, durch das gleiche Schicksal verbunden zu sein, gibt Kraft. Und Mut, denn man trifft auch auf Menschen, die „es geschafft“ haben – oft wird in dem Zusammenhang die regelmäßige Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe als wichtiger Faktor zur Bewältigung der Sucht genannt.

 

Weitere Therapie-Maßnahmen

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, an einem Motivationsprogramm teilzunehmen, in dem die individuellen Motive für die zukünftige Abstinenz erarbeitet werden.

Auch die verschiedenen Beratungs- und Behandlungsangebote werden vorgestellt. Therapeuten der Rehabilitation der „Fachklinik Haus Möhringsburg“ informieren regelmäßig über das Behandlungsangebot einer stationären oder tagesklinischen Behandlung. „Die Möglichkeit einer Hausführung, bei der sich die Betroffenen ein persönliches Bild der Reha-Einrichtung machen können, erleichtert oft die Entscheidung für eine mehrwöchige Therapie", so Stevens. Auch bei der Antragstellung für eine Rehabilitationsmaßnahme unterstützt sie und vermittelt eine weiterführende Beratung in einer Fachstelle am eigenen Wohnort.

 

Ein paar Fragen an Jessica Stevens:

 

1)     Wie sieht z.B. eine Motivationsmaßnahme aus?

Eine Motivation entwickelt sich in einem individuellen Gespräch mit jedem Patienten. Es wird versucht, die eigenen Vorstellungen zu bestärken und gemeinsam Ziele zu entwickeln. Durch unterschiedliche Gruppenstunden (Physio, Ergo, Selbsthilfe, etc.) soll diese Motivation intensiviert werden. Auch Kontakte zu weiteren Institutionen sind ein wesentlicher Bestandteil.

 

2)     Und warum ist das Motivationsprogramm so wichtig für eine anhaltende Abstinenz?

Die Motivation ist wichtig, um eine emotionale und körperliche Stabilisierung zu schaffen. Durch Informationen und Gespräche können konkrete Zielplanungen erfolgen. Dies hilft den Patienten einen Übergang vom stationären Krankenhausaufenthalt zu einer Suchtberatungsstelle herzustellen. Es ist wichtig, sich selbst wieder zu spüren und klare Gedanken bzgl. neuer Ziele zu entwickeln.

 

3)     Was wollen Sie einem Patienten sagen, der sich auf dem Weg zur Abstinenz befindet?

Der Patient soll viele positive Erfahrungen sammeln, um den Weg der Abstinenz möglichst lange gehen zu können. Wichtig ist, ehrlich zu sich selber zu sein und die Gedanken mitzuteilen. Zudem soll er sein soziales Netzwerk nutzen, das er sich aufgebaut hat. Der Weg kann teilweise Stolpersteine bereithalten, die es gilt zu überwinden. Jeder Tag ist wichtig und sollte als solcher wahrgenommen werden.

 

4)     Was möchten Sie einem Patienten raten, der „es geschafft“ hat?

Dass er weiterhin aufmerksam für sich sein soll und stolz auf die eigene Leistung und geschaffte Zeit sein darf.

 

5)     Wie würden Sie eine typische Herausforderung in Ihrem Arbeitsalltag beschreiben?

Eine typische Herausforderung ist eine individuelle Zielplanung mit einem Patienten. Dabei werden bestehende Kontakte zu Suchtberatungsstellen genutzt, weiterführende Therapien besprochen oder neue Kontakte hergestellt. Teilweise wird die Beantragung für eine Rehabilitation auch über mich gestellt. Häufig gehören auch sozialrechtliche Schwierigkeiten hinzu wie z.B. eine fehlende Krankenversicherung oder Anrufe bei Behörden, die aus Scham und Angst nicht mehr getätigt wurden. Dem Patienten zu zeigen, dass es möglich ist Schritt für Schritt an seinen Problemen zu arbeiten und persönliche Erfolgserlebnisse zu erzielen. Jeder Tag hält unterschiedliche Herausforderungen parat, die es zu lösen gilt.

 

6)      Was macht Ihre Arbeit für Sie besonders?

 

Meine Arbeit macht für mich besonders, dass jeder Tag unterschiedlich verläuft. Ich darf sehr viele verschiedene Menschen kennen lernen und ihre biographischen Ereignisse. Die Wertschätzung, die ich von den Patienten bekomme, hilft mir eine positive Einstellung zu meiner Arbeit beizubehalten. Oft sind es die kleinen Gespräche oder die zwischenmenschlichen Beziehungen, die viel bewirken können und wichtig für den täglichen Umgang sind.

Auch die Herausforderungen halten eine gewisse Spannung bereit, da es oft neue Wege zu erkunden gilt. Wichtig für mich ist, jeden Patienten respektvoll mit seinen Belangen zu behandeln und individuelle Ideen zu entwickeln. Diese Vielseitigkeit macht mir Spaß und lässt den Beruf weiterhin besonders sein. Zuvor habe ich hauptsächlich auf einer Station gearbeitet und freue mich nun im Sozialdienst neue Dinge kennen zu lernen und erleben zu dürfen. Wichtig sind mir auch die Kollegen im Haus, die unterstützend zur Seite stehen und immer ein offenes Ohr haben für Fragen und Rückmeldungen.

Kontakt:
Klinikum Osnabrücker Land

Suchtkompetenzzentrum

Jessica Stevens

Suchtkoordinatorin

Hospitalweg 1

49124 Georgsmarienhütte

Telefon: 05401 338-405

http://www.klinikum-osnabruecker-land.de/start.html