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03.06.2013 11:19

Mneme-Projekt erfolgreich abgeschlossen

Beratungszentrum für Demenzbetroffene an den Corantis-Kliniken zukünftig denkbar


Vechta. Wie lässt sich die medizinische Versorgung von mehr als einer Million Demenzkranker im häuslichen Bereich sichern und verbessern? Dieser Frage sind die Corantis Kliniken GmbH gemeinsam mit dem GewiNetKompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft e.V. und dem Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik (Offis) nachgegangen. Zum Abschluss des einjährigen Projektes wurden die Ergebnisse jetzt im Rahmen einer Veranstaltung präsentiert.

Im Mittelpunkt des sogenannten Mneme-Projekts standen die Möglichkeiten der telemedizinischen Versorgung in den Pilotregionen Quakenbrück und Oldenburger Münsterland. Dazu wurden Vitaldaten wie Gewicht, Flüssigkeitshaushalt und Aktivitäten von sechs Patienten durch technische Sensoren in ihrer Wohnung aufgezeichnet und ausgewertet.
Diese Daten können den weiterbehandelnden Einrichtungen wie Ärzten und Pflegediensten wertvolle Informationen liefern, so ein Ergebnis der Studie. „Denn sie geben Auskunft über den Krankheitsverlauf und machen es den Therapeuten möglich, ihre Behandlung individuell und zeitnah anzupassen“, so Projektleiter Dr. Carsten Giehoff.Dank der telemedizinischen Möglichkeiten könnten Patienten nach der stationären Behandlung schnell wieder in ihr gewohntes häusliches Umfeld zurückkehren, betonte er.

Auch die Angehörigen lobten die Vorteile des Systems, mit dem die Patienten sich sicher in ihrer Wohnung bewegen können. Vor allem alleinstehende Personen mit beginnender Demenz habendie Chance, länger zu Hause wohnen zu können.

In dem Projekt wurde auch ermittelt, welche Probleme sich für Demenzbetroffenein häuslicher Umgebung ergeben und welche telemedizinischen Komponenten geeignet sind,denn eine Demenz kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und vielfältige Symptome zeigen. Getestet wurde mit Waagen, Bewegungsmeldern, Bettsensoren auf dem Lattenrost, Stromsensoren oder auch mit Türsensoren.

Die Testpersonen waren Frauen im Alter zwischen 66 und 89 Jahren, vier von ihnen alleinwohnend, eine in einer Familie und eine im Pflegeheim lebend. Von ihnen wurden insgesamt 201 Aktivitäts- und Gewichtsprofile sowie über 288 000 Schritte aufgezeichnet.Niemand der Teilnehmer hat die Geräte als störend empfunden.Es gibt kaum Kriterien, die eine Nutzung von Mneme völlig ausschließen, ergab die Studie.

Die positiven Erfahrungen aus dem Praxistext können nun die Grundlage für ein künftigesBeratungszentrum für Demenzbetroffene an den Corantis-Kliniken bilden, das auch telemedizinische Leistungen anbieten würde, sagte Eva Tinnefeld von GewiNet. Und das sei bisher bundesweit neu.Dazu sei eine enge Zusammenarbeit mit den Entlassmanagern der Krankenhäuser sowie mit Ärzten, Dienstleistern, Pflegediensten, Selbsthilfegruppen und anderen Beteiligten sinnvoll.
„Ich finde das Ergebnis des Projekts sehr ermutigend und wünsche mir, dass auf Basis des Erreichten weiter gemacht wird“, sagte Dr. Andreas Rahn (St. Franziskus-Hospital Lohne), der das Projekt gemeinsam mit den Ärzten Dr. Dr. Dipl.-Psych. Reinhard J. Boerner, Dr. Matthias Kaufhold (beide CKQ), Dr. Lothar Neitzel (Clemens-August-Stiftung Neuenkirchen-Vörden) begleitet hat.

Heinrich Titzmann, Sprecher der Corantis-Kliniken GmbH und Geschäftsführer des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück kennzeichnete die telemedizinische Versorgung als wegweisend, sie ergänze die bisherigen Möglichkeiten in idealer Weise.
Das Projekt wurde vom Land Niedersachsen im Rahmen des Programms „Zukunft und Innovation Niedersachsen“ mit 130 000 Euro gefördert.