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27.10.2016 12:39

Länger im eigenen Heim leben


Kalkriese. Gewinet-Veranstaltung in Kalkriese diskutiert technische Möglichkeiten und gesellschaftliche Bedingungen

Alte Menschen können künftig länger im eigenen Heim leben. Bei einer Veranstaltung des Vereins GewiNet Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft in Kalkriese wurden jetzt neue technische Entwicklungen vorgestellt, die dazu beitragen sollen.

KIn seiner Begrüßung wies Landrat Dr. Michael Lübbersmann auch auf unterstützende Initiativen des Landkreises hin. Dazu gehöre neben den Projekten von GewiNet zum Beispiel die mobile Wohnberatung: Das Infomobil soll älteren Menschen mit Rat und Tat bei der altersgerechten Umrüstung ihres Wohnraums zur Seite stehen.

Dadurch und durch viele weitere Hilfen kann nach Ansicht von Dr. Maik Plischke, Geschäftsführer des Innovationszentrums Niedersachsen, auch verhindert werden, dass alte Menschen wegen fehlender Infrastruktur ihre ländliche Heimat verlassen müssen. Denn das wollten die Wenigsten. Technische Innovationen könnten dabei helfen. Es gebe aber dafür keine Flächenlösung, sondern immer nur eine an den Betroffenen orientierte lokale Umsetzung.

Prof. Dr. Rolf G. Heinze, Ruhr-Universität Bochum, warnte davor, allein auf technische Hilfen zu setzen. Es müsse immer der Mensch in seinem sozialen Umfeld gesehen werden: So könne durch technische Lösungen auch erreicht werden, dass alte Menschen ihre sozialen Kontakte weiter pflegten und sich zum Beispiel in Ehrenämtern engagieren könnten. Prof. Dr. Heinze schlug Lotsensysteme vor: Ältere helfen Jüngeren, Junge unterstützen Alte. 

Das hat sich auch das Verbundprojekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ in der Projektregion Grafschaft Bentheim/Südliches Emsland zum Ziel gesetzt, wie Projektleiter und Verbundkoordinator Thomas Nerlinger von der Gesundheitsregion EUREGIO und die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Marcus Garthaus/Jan Beinke von der Universität Osnabrück erläuterten: Im Zuge des demografischen Wandels seien die gewohnten lokalen Versorgungs- und familiären Unterstützungsstrukturen der Dorfgemeinschaft zunehmend gefährdet. Hier setze das Projekt an und fördere das Fortbestehen einer generationenübergreifenden Dorfgemeinschaft für die älterwerdenden Menschen. So ist vorgesehen, wichtige Dienste für Ältere über ein virtuelles Dorfgemeinschaftszentrum zu koordinieren. Dabei soll laut Nerlinger der Mensch und sein soziales Umfeld immer im Mittelpunkt stehen.

In diesem Zusammenhang erläuterte David Jacob Huber (Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Landesverband Niedersachsen/Bremen) wie Technik und Wohnen künftig verknüpft werden können. Intelligente Systeme dafür stellte Dr. Serge Autexier, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, vor. Er sprach über High-Tech im Alltag und die Möglichkeiten, den Alltag dank High-Tech im Alter zu erleichtern sowie die Lebensfreude zu erhöhen. Dazu gehört auch das Sicherheitsgefühl: Martin Schmitz von der Polizeiinspektion Osnabrück erläuterte, wie Häuser einbruchsicher gemacht werden können. Auf Umbaumaßnahmen und die Beteiligung der Pflegeversicherung an der Finanzierung ging Stefan Voltz von der Barmer GEK ein. Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Wohnberatung  schilderten Gerd Diekherbers und Heinz Leufker (Ehrenamtliche Wohnberater) sowie Sabine Steinkamp (Seniorenbüro der Stadt Osnabrück). Über Möglichkeiten, mit Demenz in den eigenen vier Wänden zu leben, informierte Andreas Felscher, Johanniter-Unfall-Hilfe, beispielhaft anhand des Projektes „Quo Vadis“. Das Hausnotrufsystem könne Betroffenen helfen.

Die nächste von der Metropolregion Nordwest geförderte Konferenz findet am 19. Januar 2017 in Oldenburg statt, kündigte Dr. Anna Meincke, Geschäftsführerin Metropolregion Nordwest an, die das Thema „altersgerechte Assistenzsysteme in der Wohnungswirtschaft“ zu einem Schwerpunkt gemacht hat: Es biete großes Potenzial für die Region. Denn rund ein Fünftel der Bevölkerung der Metropolregion Nordwest sei über 65 Jahre alt. „Zudem birgt das Thema große wirtschaftliche Potenziale für die Region und die Akteure der Gesundheits- und Immobilienwirtschaft, des Handwerks und der Informations- und Kommunikationsbranche“ stimmte Magdalena Knappik, GewiNet-Geschäftsführerin und IHK-Dienstleistungsreferentin, zu.