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24.04.2014 10:50

Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege am Klinikum OSL


Schmerzen können einen in den Wahnsinn treiben, heißt es. Und viele Menschen haben mindestens eine Situation erlebt, in der sie genau dies empfanden. Per Definition nach McCaffery ist „Schmerz das, was eine Person, die ihn erfährt, über ihn angibt; er ist vorhanden, wenn sie sagt, dass er da ist.“

„Schmerz ist also ein subjektives Empfinden, das nicht zwangsläufig eine medizinisch nachweisbare Ursache haben muss“, erklärt Annette Twelkemeier, Stationsleitung der Intensivstation am Klinikum Osnabrücker Land, B.A. Pflegewissenschaft. Das gestalte auch manchmal die Verständigung zwischen Patient und Arzt oder Behandelndem schwierig. „Es kommt vor, dass der Patient den Schmerz nicht richtig orten oder die Intensität nicht beschreiben kann“, so Twelkemeier. Es gibt auch Patienten, die gar nicht bei klarem Bewusstsein sind, hier bedarf es dann einer besonderen Vorgehensweise, um die Schmerzursache herauszufinden bzw. dem Leidenden Linderung zu verschaffen.

Schmerzmanagement bei Menschen, die bei klarem Bewusstsein sind

Wichtig ist, dass die Schmerzen durch ein angemessenes Schmerzmanagement therapiert werden, damit es nicht zu Folgeerscheinungen wie physischen und psychischen Beeinträchtigungen, Verzögerungen der Genesung oder Chronifizierung der Schmerzen kommt. Annette Twelkemeier hat die Projektleitung des Projektes Schmerzmanagement übernommen und zusammen mit den Chefärzten und der leitenden Oberärztin des Klinikums Osnabrücker Land ein Handbuch Schmerzmanagement verfasst. Das Handbuch enthält Leitlinien, die die Arbeit mit den Schmerzpatienten nach bestimmten Mustern vereinfachen und eine professionelle Schmerzversorgung gewährleisten sollen.

„Die Maßnahmen des Expertenstandards Schmerz sollen die Einschätzung des Schmerzes erleichtern“, so Twelkemeier. Es gibt beispielsweise einheitliche Schmerzerfassungsinstrumente, Skalen von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz), Skalen für kleine Kinder und Analphabeten mit verschiedenen Smiley-Gesichtern, die die Einordnung der Schmerzintensität erleichtern. Der Schmerz wird immer in Ruhe und bei Belastung gemessen. Bei Patienten, die nicht auskunftsfähig sind, erfolgt eine Fremdeinschätzung. Grundsätzlich hat die Selbstbeurteilung aber Vorrang vor der Fremdeinschätzung.

Der Schmerz wird routinemäßig dreimal täglich, also einmal pro Schicht, dokumentiert. Er wird auch dann erfasst, wenn die Schmerzen stärker geworden sind, 20 bis 30 Minuten nach einer zusätzlichen Schmerzmittelgabe bzw. vor- und 30 Minuten nach Intervention. Annette Twelkemeier und ihre Kollegen wurden speziell geschult, um das jeweils sinnvolle Instrument auszuwählen oder bei Bedarf mit anderen Instrumenten zu kombinieren und entsprechend auszuwerten.

Schmerzmessung bei Menschen, die nicht in der Lage sind, selbst zu kommunizieren

Menschen, die an Demenz leiden, im Koma liegen oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, Angaben über ihr Schmerzempfinden zu machen, werden mithilfe des sogenannten Zürich Observation Pain Assessment ZOPA© eingestuft. Ziel ist es, dass Menschen mit kognitiven und/oder Bewusstseinsbeeinträchtigungen keine unerkannten und unbehandelten Schmerzen erleiden müssen. Das Fremdeinschätzungsinstrument lässt keine Rückschlüsse auf die Intensität des Schmerzes zu wie die numerischen Skalen. Es erfasst lediglich den Schmerz in vier Verhaltenskategorien: Lautäußerung, Gesichtsausdruck, Körpersprache und Physiologische Indikatoren. Die vier Kategorien beinhalten wiederum dreizehn Verhaltensmerkmale, die genau definiert wurden. „Stöhnende Laute, ein verzerrter gequälter Gesichtsausdruck, Ruhelosigkeit oder Veränderungen in den Vitalzeichen gelten beispielsweise als Hinweis auf Schmerzen“, erklärt Twelkemeier.

Schmerzen können Freude am Leben nehmen

Ganz egal welcher Art und in welcher Lebenssituation – Schmerzen können einem das Leben zur Hölle machen. Je nach Intensität schränken sie die Lebensqualität derart stark ein, dass ein normales Leben nicht mehr möglich ist. Das kann bis hin zur Erwerbs- und Arbeitsunfähigkeit führen.

„Schmerzen können einem die Freude am Leben nehmen. Deshalb ist eine angemessene Schmerztherapie auch so wichtig. Und hier gilt: je früher, desto besser, damit die Schmerzen nicht chronisch werden“, so Twelkemeier.

Das pflegerische Schmerzmanagement kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Zusammenarbeit mit den Ärzten und allen anderen patientennah tätigen Berufsgruppen reibungslos funktioniert. „Das klappt bei uns gut“, sagt Twelkemeier. „Das Ergebnis des Akutschmerzmanagements sollte eine kontinuierliche Schmerzfreiheit oder –linderung sein, die dem Patienten zugleich ein höchstmögliches Maß an Autonomie und Lebensqualität ermöglicht“, findet Twelkemeier. Das Handbuch ist fast fertig, die Kompetenzen vorhanden – es heißt also Hoffnung schöpfen für schmerzgebeutelte Menschen.

Kontakt:

Annette Twelkemeier

Klinikum Osnabrücker Land

Robert-Koch-Straße 1

49201 Dissen a.T.W.

Telefon: 05424-302 117

E-Mail annette.twelkemeier@klinikum-osl.de

Ein paar Fragen an Annette Twelkemeier:

Wie sind Sie dazu gekommen, sich im Expertenstandard Schmerzmanagement zu spezialisieren?

Mir wurde die Leitung der Projektgruppe Schmerzmanagement angeboten. Somit war es für mich nur selbstverständlich auch den „Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen“ zu implementieren und das Projekt somit auch in pflegerischer Hinsicht zu vervollständigen.

Wer ist genau an dem Handbuch Expertenstandard Schmerz beteiligt und was genau soll damit bezweckt werden?

In der Projektgruppe waren alle Chefärzte beider Standorte und die leitende Oberärztin der Gynäkologie beteiligt. Zweck war die Erarbeitung eines Schmerzhandbuchs und einer Numerischen Rangskala und somit eine ganzheitliche, effektive, individuelle Schmerztherapie im kompletten Klinikum Osnabrücker Land.Wie würden Sie eine typische Herausforderung in Ihrem Arbeitsalltag beschreiben?

Eine Herausforderung ist es für jeden Patienten individuell die bestmögliche Therapie zu finden, um somit möglichst eine Schmerzfreiheit oder die größtmögliche Linderung der Schmerzen zu erreichen.

Was macht Ihre Arbeit für Sie besonders?

Das Besondere an meiner Arbeit ist der Umgang und Kontakt zu den Patienten. Den Verlauf und größtenteils eine Besserung verfolgen zu können. Und das Wissen, an diesem Prozess maßgeblich beteiligt gewesen zu sein.