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26.06.2017 11:58

Das Herz wird nicht dement


Osnabrück. Wie Technik bei Demenz unterstützen kann – darum ging es bei einer Veranstaltung von Gewinet im Rahmen der Initiative eHealth.Osnabrück im Innovationscentrum Osnabrück.

Es wurde erläutert, was die Diagnose Demenz für Betroffene und ihr Umfeld bedeuten kann. Zudem wurden technische Hilfs- und Assistenzsysteme vorgestellt. 

Dr. Michael Böckelmann, Vorsitzender von Gewinet und Geschäftsführer der Schüchtermann Schiller´schen Kliniken Bad Rothenfelde, freute sich, dass es möglich sei, durch technische Hilfsmittel das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern und Patienten sowie Angehörige dabei zu unterstützen, länger zu Hause leben zu können. Das sei nicht einfach, weil bei einer Demenz das gesamte Umfeld einbezogen werden müsse. 

Was bedeutet Demenz für Betroffene und Angehörige? 

Auf diese Frage ging Ingrid Schaal, erste Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Osnabrück, Selbsthilfe Demenz Osnabrück, ein. Sie gründete 2004 aufgrund familiärer Erfahrungen in Wallenhorst eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzerkrankten und absolvierte die Prüfung zur Alltagsmanagerin für Demenzerkrankte.

Demenz ziehe das ganze Leben des Betroffenen in Mitleidenschaft, sagte sie. Wichtig sei es daher, den Blickwinkel zu ändern und die gelingenden Dinge in den Vordergrund zu stellen, nicht die Einschränkenden. „Wenn wir die Welt des Betroffenen akzeptieren, dann fühlt er sich angenommen und wertgeschätzt.“ So könne man schöne wertvolle Augenblicke mit ihm erleben. Betroffene sind auf der Gefühlsebene oft gut erreichbar, denn das Herz werde nicht dement.

Sven Kernebeck vom Deutschen Forschungszentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Witten sprach über die Nutzerorientierung von technischen Unterstützungsgeräten im Leben von Menschen mit Demenz. Der Gesundheitswissenschaftler koordiniert ein multizentrisches, multiprofessionelles Forschungs- und Entwicklungsprojekt im Bereich technischer Innovationen für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz mit herausforderndem Verhalten. 

Es gebe mittlerweile eine Vielfalt von technischen Hilfsmitteln, berichtete er: Dazu gehörten unter anderem Tablets mit Erinnerungsfunktion, Tierroboter oder Möglichkeiten der Personenortung. Zudem stellte der Referent unterstützende Apps vor. Wichtig sei immer die Einbeziehung der pflegenden Angehörigen und der Menschen mit Demenz bei der Entwicklung und Anwendung. Auch sie könnten durch bestimmte Systeme unterstützt werden. 

Eines müsse aber immer im Blick behalten werden, betonte auch Annika Thomas von Gewinet: Bei aller Technik dürfe der Mensch nicht vergessen werden.