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27.10.2016 12:14

Betriebe müssen mehr über Gesundheit nachdenken


Osnabrück. Rund um das Thema Mitarbeitergesundheit ging es bei einer Messe, die das Gewinet Kompetenzzentrum aus Osnabrück jetzt veranstaltet hat. In der Schloss-Aula der Universität Osnabrück fanden Vorträge und Workshops statt. An Messeständen vielfältiger Einrichtungen aus der Region wurde Betriebliches Gesundheitsmanagements (BGM) thematisiert.

Die Besucher konnten an den Ständen die regionalen Anbieter und Angebote kennenlernen. In den sehr praxisorientierten Workshops wurden zudem die Themen „Gesunde Gemeinde“, „Erfolgsfaktoren BGM“ und „Psychische Gefährdungsbeurteilung“ behandelt. 

Dr. Michael Böckelmann, erster Vorsitzender von Gewinet, sagte, dass das BGM immer wichtiger werde. Es sei ein Zukunftsthema, „das uns alle noch viele Jahre begleiten wird“. Gesundheitsförderung gehe über den Arbeitsplatz hinaus, betonte auch Prof. Dr. May-Britt Kallenrode, die die Teilnehmer im Namen der Universität Osnabrück begrüßte.

Eröffnet wurde die Messe von Karin Jabs-Kiesler, Bürgermeisterin der Stadt Osnabrück, und  Stefan Muhle, Erster Kreisrat des Landkreises Osnabrück. Er hob den wichtigen Austausch aller Vertreter der Gesundheitsregion hervor, den die Messe eindrucksvoll ermögliche. Jabs-Kiesler betonte, dass Betriebliches Gesundheitsmanagement heute notwendiger denn je sei. Steigende Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastungen zeigten dies sehr deutlich. Eine gesundheitsbewusste Lebensweise müsse mehr in die Arbeitswelt integriert werden.

In Vorträgen gingen Prof. Dr. Uwe P. Kanning, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück, und Doris Gunsch, Inhaberin Psychologische Managementberatung, auf verschiedene Aspekte betrieblicher Gesundheitsförderung ein. Mitarbeitermotivation sei einer davon, sagte Kanning und erläuterte, welche Strategien zur Steigerung der Mitarbeitermotivation erfolgsversprechend sind. Dabei skizzierte er unter anderem Arbeitsmotivationen von Mitarbeitern und nannte: Individualität, Autonomie, Entwicklungsmöglichkeiten, Abwechselung, Selbstwert und Führung, Karriere, Ansehen, Leistung sowie soziale Angebote und Möglichkeiten für eine gute Work-Life-Balance.

Doris Gunsch beleuchtete Hintergründe der Belastungen in der Arbeitswelt aus Sicht der Hirnforschung und Motivationspsychologie. Gefördert werde ein Burnout durch Terminüberlastung und Zeitdruck. Menschen mit starker Selbstkontrolle, die sich oft an Perfektionismus zeige, rutschten schneller ins Burnout, erläuterte die Management-Beraterin. Im Gegensatz zur Selbstkontrolle werde in Zukunft die Selbstregulation wichtiger. Helfen könne dabei Bewegung. Sie könne in Betrieben zum Belastungsabbau (Kortisolspiegel) beitragen. Vielfach gebe es aber nicht einmal ein Minimum an Aktivität. Die Referentin empfahl Mitarbeitern in Erschöpfungsphasen einen sogenannten „intentionsfreien“ Tag einzulegen, der keinerlei Verpflichtungen enthalte, weder beruflich noch privat.  Auf diesem Weg könnten sich Betroffene in kurzer Zeit den Erholungswert von einigen freien Tagen verschaffen.  Das funktioniere aber nur, wenn nicht bereits eine Depression vorliege. Mit einem solchen Tag könne zuweilen eine Verschlimmerung verhindert werden. Zur Burnoutvorbeugung seien auch gute soziale Kontakte im Team sehr wichtig, der „Plausch zwischendurch“. Er begünstige die Ausschüttung des zufriedenheitssteigernden Botenstoffs Dopamin. Wirksame Mittel gegen Stress und einen zu hohen Kortisolspiegel seien auch Yoga und Meditation. Sie ermöglichten eine nachhaltige Senkung des Kortisolspiegels.