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24.04.2014 11:54

Angehörige eines suchtkranken Menschen leiden genauso – oft noch mehr


Georgsmarienhütte. RegelmäßigeAngehörigenseminare im Klinikum Osnabrücker Land

Leidet ein Mensch an einer Suchterkrankung, hat das vor allem auch Auswirkungen auf seine nächste Umgebung – auf Partner, Eltern, Kinder, Geschwister und Freunde. In Deutschland leben laut der „Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V.“ schätzungsweise acht Millionen Angehörige alkoholkranker Menschen. Das entspricht fast einem Zehntel der deutschen Gesamtbevölkerung.

Eine Statistik der DHS aus dem Jahrbuch Sucht 2013 zeigt, dass allein ca. 1,3 Millionen Alkoholkranke und bis zu 1,9 Millionen Medikamentenabhängige in Deutschland leben. Andere Drogen und pathologische Spielsucht machen nochmal einen beachtlichen Anteil aus.

 

Der Übergang zur Sucht ist fließend

Wenn ein Mensch an einer Sucht erkrankt, dann geschieht das nicht von heute auf morgen. Es ist ein schleichender Prozess, der sich über Jahre hinweg ziehen kann. „Untrügliches Zeichen für die beginnende Abhängigkeit ist dann die immer stärkere Fixierung des betroffenen Menschen auf das Suchtmittel“, erklärt Dr. med. Matthias Schubring, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Osnabrücker Land, Standort Georgsmarienhütte.

Zeitgleich zieht sich die suchtkranke Person immer mehr in sich selbst zurück, vernachlässigt eigene Interessen und Verpflichtungen, die Gesundheit, den Lebenspartner und Freundschaften. „Ist ein Mensch erst einmal an diesem Punkt angelangt, benötigt er eigentlich schnellstmöglich professionelle Hilfe“, so Jessica Stevens, Suchtkoordinatorin am Standort Georgsmarienhütte des Klinikums Osnabrücker Land.

Allerdings kommt es häufig – wenn überhaupt – erst viel später dazu.

Helfen bis hin zur Selbstaufgabe

Sucht ist peinlich. So denken jedenfalls oft die Angehörigen – bewusst oder unbewusst. Was werden wohl unsere Freunde denken und die Nachbarn? Aus den anfänglichen Bemühungen, dem Suchtkranken so gut es geht unter die Arme zu greifen und den Schein nach außen hin zu wahren, entwickelt sich schnell die Situation, das die Helferperson mehr und mehr ihr ganzes Leben auf die Bedürfnisse des abhängigen Menschen ausrichtet. Ereignisse, die ein erfülltes soziales Leben ausmachen, treten dann in den Hintergrund – bis hin zur völligen Selbstaufgabe der Helferpersonen. Am Ende stehen sie oft alleine da – ohne Freunde und ohne Hobbys. Im Fokus sind stets der suchtkranke Angehörige und die Sorge um ihn.

Und der dankt es nicht. Im Gegenteil. Die ganzen Bemühungen und das ständige Helfen haben zur Folge, dass der Abhängige gar nicht den Ernst der Lage erkennt. Es funktioniert ja alles noch irgendwie. Das Zusammenleben mit einem suchtkranken Menschen ist oft geprägt von Aggressionen und Gewalt, die Droge führt zur Wesensveränderung und zur Unberechenbarkeit. „Trotzdem reiben sich viele Angehörige manchmal Jahrzehnte lang in dem Bemühen auf, den Schein zu wahren und das Suchtproblem geheim zu halten“, so Schubring.

 

Hilfe für Angehörige

Aber soweit muss es nicht kommen. Mittlerweile gibt es viele gute Hilfsangebote für erwachsene Angehörige und Kinder aus suchtbelasteten Familien. „In unserem Haus finden regelmäßig Vorträge mit Diskussionen für Angehörige und enge Bezugspersonen von abhängigkeitskranken Menschen statt“, so Dr. Schubring.

Natürlich muss der Suchtkranke selbst erkennen, dass er ein Suchtproblem hat. Und er muss sich dazu bereit erklären, sich einer Entzugsbehandlung zu unterziehen. Qualifizierte Beratungs- und Entzugsbehandlungen wie im Klinikum Osnabrücker Land und Haus Möhringsburg achten jedoch immer schon zu Beginn auf die Möglichkeit der Einbeziehung von Familie und Freunden.

„Angehörige können helfen, dass die betroffene Person ihre Situation erkennt und Hilfe annimmt“, so Schubring. „Und sie können dafür sorgen, dass ihre eigene Lebensfreude und Kraft nicht ebenfalls in der Sucht untergehen.“Wie man das anstellt, erfahren Interessierte in den Seminaren. „Und wie sich Angehörige, enge Freunde und Betroffene besser verstehen, unterstützen und wieder annähern können, damit die Beziehungen wieder ins Gleichgewicht kommen“, ergänzt Ira Guse, Gesundheits- und Krankenpflegerin/Sozialtherapeutin am Klinikum OSL, Standort Georgsmarienhütte.

„Die schwierige Situation besonders der engsten Freunde und Angehörigen wird von unseren Rehabilitanden oft ausgeblendet. Die Erkenntnis, dass das Umfeld bereits sehr früh unter dem süchtigen Verhalten gelitten und alles versucht hat, die Person zum Aufhören zu bewegen, ist mit Schuldbefühlen besetzt. Wie soll man das wieder gutmachen? Wir bringen in unseren Paar- und Familiengesprächen solche Tabuthemen auf den Tisch, damit die Kommunikation untereinander und die gegenseitige Unterstützung wieder möglich sind“, erklärt Martina Tranel, Sozialpädagogin/Sozialtherapeutin der Rehabilitationsabteilung.

Zu den Vorträgen werden immer auch Vertreter der Selbsthilfegruppen eingeladen, die den anschließenden Austausch der Teilnehmer mit Erfahrungen aus erster Hand bereichern. Des Weiteren sind immer ein Arzt/ Dr. Schubring und eine Vertreterin aus dem Bereich der Pflege und der Sozial- und Psychotherapie anwesend.

Der nächste Vortrag mit Diskussion für Angehörige und Bezugspersonen findet am 4. Juni um 17 Uhr statt und wird ca. 2 Stunden dauern.

Kontakt

Veranstaltungsort:

Gruppen-/Vortragsraum auf der Station

Klinikum OSL

Hospitalweg 1

49124 Georgsmarienhütte

 

Anmeldungen unter:

  • Mechthild Stolzenberg

·         Sekretariat

·         Aufnahmeplanung und Patientenmanagement

·         Telefon: 05401 338-416